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Thees Carstens

Mehr als zwei Kinder? Das können wir uns nicht leisten!“ Bei allem Respekt – Familienplanung von den finanziellen Rahmenbedingungen abhängig zu machen, hat bei mir lange nur ein verständnisloses Kopfschütteln hervorgerufen.

 Wo zwei Kinder sind, können auch drei durchgefüttert werden, war lange Zeit meine Devise. Heute sehe ich das mit anderen Augen. Denn spätestens mit der Einschulung merken Eltern an ihrem Geldbeutel, ob sie ein, zwei, drei, vier oder mehr Kinder haben.

Eigenständigkeit fördern
Es kann Familien schon mal an die finanziellen Grenzen bringen, wenn es darum geht, nicht nur die existenzielle Grundversorgung wie Essen, Trinken, Kleidung und Wohnraum zu sichern, sondern darüber hinaus auch mal einen Urlaub zu machen, Hobbys zu pflegen und Kindern eine gute Ausbildung oder ein Studium zu ermöglichen. Viele Familien sind von Arbeitslosigkeit betroffen oder müssen aus anderen Gründen Einschränkungen in Kauf nehmen. Einige Familien leben sogar von Hartz IV.

Für viele Eltern ist es also gar keine Frage: Sobald die heranwachsenden Kinder ein eigenes Einkommen haben, müssen sie auch zum gemeinsamen Lebensunterhalt beisteuern – egal, ob sie zu Hause oder in der eigenen Studentenbude wohnen. Die meisten Kinder suchen sich ohnehin neben Schule und Studium einen Nebenjob, nur so können sich Familien über Wasser halten.

Und wenn Geld keine Rolle spielt? Dennoch – Eltern sind gut beraten, wenn sie ihre Kinder mit in die Verantwortung nehmen. Geld ist ein Schlüssel auf dem Weg zu mehr Eigenständigkeit.

Unsere Aufgabe als Eltern ist, die jungen Menschen Schritt für Schritt auf dem Weg zu begleiten, ein eigenständiges Leben aufzubauen. Und der verantwortungsvolle Umgang mit Geld ist eine entscheidende Fähigkeit, sich in dieser Welt zurechtzufinden.

Individuelle Vereinbarung
Als unser ältester Sohn seinen Zivildienst angetreten ist, standen wir zum ersten Mal vor der Frage: „Sollen unsere Kinder einen Obolus für Essen, Wohnen und diverse Nebenkosten abgeben oder nicht?“ Immerhin hat er seinen Dienst von zu Hause geleistet. Janek bekam einen Sold, der aus einer täglichen Vergütung für Essen, Kleidung und HeimschläferZulagen zusammengesetzt war. Gleichzeitig haben wir in dieser Zeit als Familie für Janek kein Kindergeld bekommen. Unser mittlerer Sohn überbrückt im Moment die Zeit bis zum Studium und arbeitet in seinem Beruf als Elektroniker. Also – keine Frage: Eigentlich müssten unsere Söhne selbstverständlich ihren Anteil für Essen, Trinken und Wohnen zu Hause abgegeben. Tun sie aber nicht. Denn wir haben mit ihnen andere Vereinbarungen getroffen. Sie müssen vom selbst verdienten Geld nichts abgeben, wenn sie ihre Einnahmen bis auf ein Taschengeld komplett für ihr Studium zurücklegen, damit wir in dieser Zeit bei den monatlichen Ausgaben merklich entlastet sind.

Sollten Kinder Geld zu Hause abgeben, wenn sie eigene Einnahmen haben und im „Hotel Mama“ leben? Ein klares Ja! Wie das allerdings in der Praxis aussieht, gilt es, wie bei den meisten Familienregeln, konkret zu besprechen und zu vereinbaren.

Christina Rosemann ist Familientherapeutin und Supervisorin und lebt mit ihrer Familie in Lüdenscheid. www.christina-rosemann.de