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Thees Carstens/family

Ist es sinnvoll mit einem Baby in den Urlaub zu fahren? Kann man sich da überhaupt erholen? Ja, aber man sollte sich vorher ein paar Gedanken machen:

Das Urlaubsziel

Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, unserem Kind die Art von Urlaub vorzustellen, die wir gern machen und nicht in spezielle Baby-Hotelburgen zu gehen. Wir sind begeistert über krabbelnde Babys auf Jugendfreizeiten in Italien, Erkundungen im Watt oder in Venedig. Eine Reise auf einen anderen Kontinent ist durchaus möglich, sollte aber mit sehr gründlicher Vorarbeit erfolgen. Unser Radius in Europa ist durch die Kinder enger geworden, es gibt aber auch Paare, die mit Baby nach Indien losziehen.

Für uns war in den Jahren mit Baby ein Appartement die beste Lösung. Da ist man flexibel, kann sich auch mal aus dem Weg gehen, wenn das Baby unruhig ist, kann die Milch in der Küchenzeile warmmachen … Andere gehen aber auch mit Baby zelten, weil sie nicht die Mühe scheuen, nachts im Dunkeln Bauchwehtee zu kochen. Wichtig für die Wahl des Urlaubsziels ist vor allem eins: Es sollte dem Ehepaar gut tun. So ein Urlaub ist eine schöne Herausforderung, um zu üben, das „neue“ Baby ins „neue“ Leben zu integrieren.


Vorarbeit

Vor dem ersten Urlaub mit Baby sollten Sie sich bewusst auf „neu“ polen und sich klarmachen, dass sieben Krimis in zwei Wochen und Sex nach dem Frühstück nicht ohne weiteres möglich sind. Je mehr man bereit ist, „neu“ Urlaub zu machen, desto eher bleibt die Frus tration erspart. Vorarbeit meint aber auch: das Baby zu Hause schon mal ins Reisebett legen, die Reiseapotheke gründlich zusammenstellen und sich über mög liche Schlechtwetterziele erkundigen.

Schichtarbeit

In der Regel sind beide Partner erholungs- und ruhebedürftig. Dieses Bedürfnis drückt sich manchmal unterschiedlich aus. Aus dieser Erfahrung haben wir Schichten eingeteilt: Ich erhole mich lesend, deshalb hat Henrik oft den Job übernommen, das Baby zu entführen, damit ich ein bis zwei Stunden lesen konnte.

Henrik wiederum braucht Schlaf zum Erholen und so habe ich die „Frühschicht“ übernommen: mein schrillstes Erlebnis war morgens um sechs Uhr am See des Campingplatzes mit anderen Eltern, die auch ihrem Partner den Schlaf gönnten. Zur Erholung hat auch beigetragen, dass wir mit den Pausen des Babys selbst Pause gemacht haben oder in der Zeit typische „Erwachsenendinge“ wie einen Museumsbesuch gestartet haben.


Mutig denken

Eltern brauchen Auszeiten, um sich danach wieder ganz bewusst auf das Kind einlassen zu können. Für das Baby sind gereizte Schwingungen spürbar, besonders wenn Eltern sich gegenseitig den Schlaf nicht gönnen oder vorrechnen, wer mehr geleistet hat. Und je lockerer Eltern mit Neuem umgehen, desto lockerer reagiert auch das Baby. Laute Befürchtungen, das Kind schlafe bestimmt schlecht in der Fremde, erweisen sich oft als selbsterfüllende Prophezeiungen.

Das Baby wird die Zeit mit den Eltern genießen, wird Neues sehen und riechen, wird üben, in fremder Umgebung zu schlafen, wird Autofahrt oder Flugreise meistern. Dass es mal unbequeme Situationen gibt, hat nichts mit einem nicht belastbaren Kind zu tun, mit dem in den nächsten sechs Jahren keine Urlaube möglich sind. Diese Stressphasen sind normal! Am Strand zu sitzen, während Baby den ersten Sand kennenlernt, ist zwar nicht so cool wie Beachvolleyball zu spielen, aber super für die Bindung als Familie. Die täglichen Runden mit dem Buggy sind zwar nicht spannend, können aber entspannend sein. Es kommt auch beim ersten Urlaub mit Kind darauf an, Gutes von sich und seinem Leben als Familie zu denken!

Stefanie Diekmann ist Diplom-Pädagogin und arbeitet im Gemeindejugendwerk Südwest, um Mitarbeiter für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen auszubilden. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Ingelheim am Rhein.