Müde und ausgelaugt von den Strapazen des rauschenden Festes steuert das frischgebackene Ehepaar auf den Höhepunkt zu: die Hochzeitsnacht. Kann das gut gehen? Vier Paare berichten (anonym) über ihre erste gemeinsame Nacht als Ehepaar.
Auf der Autobahn
Viele Illusionen darüber, dass die Hochzeitsnacht die perfekte „Nacht der Nächte“ werden würde, hatten wir uns nicht gemacht. Stressige Hochzeitsvorbereitungen, langer Tag, viele Gäste – dass die Nacht da entsprechend kurz ausfallen würde, hatten wir schon halb gedacht.
Es war ein schwülheißer Sommertag! Als wir nach der Hochzeitsfeier verschwitzt und müde mit Schwester und Schwager auf den Rücksitz unseres MINI-Cabrios geklemmt die 40-minütige Heimfahrt antraten, wollten wir nur noch eines: nach Hause. Kaum fünf Minuten auf der Autobahn passierte jedoch etwas, mit dem wir morgens um halb vier wirklich nicht gerechnet hatten: Tunnelsperrung. Stau. Eine knappe Stunde lang. Wir vertrieben uns die unfreiwillige Auszeit damit, die Musik aufzudrehen, auf der Autobahn zu tanzen und schon mal die Hochzeits-Deko vom Auto zu nehmen. Nachdem wir Schwester und Schwager im Hotel abgeliefert hatten und in unserer Wohnung ankamen, zwitscherten bereits die Vögel in der Morgendämmerung.
Dort wartete auf uns … unser Sofa. Denn das riesige Ehebett, das wir vorsorglich schon drei Monate vorher bestellt hatten, war doch nicht rechtzeitig fertig geworden. Übrigens warteten wir letztendlich fast neun Monate darauf. Einer unserer Brüder hatte die Panne mitbekommen und wollte uns aus Mitleid die Hochzeitsnacht im Hotel spendieren. Warum wir das Angebot damals nicht annahmen, wissen wir heute auch nicht mehr. Vermutlich dachten wir, dass sich das bei so einer kurzen Nacht dann doch nicht lohnt. In unseren Vorbereitungen für die Hochzeit waren wir Perfektionisten gewesen. Wir hatten uns sogar anhören müssen, dass wir bei so viel Planungseifer ja eine Event- Agentur aufmachen könnten. Und doch waren es gerade die chaotischen Umstände und die unvorhersehbaren Pannen, die diese Hochzeitsnacht irgendwie besonders gemacht haben.
Das Paar lebt in Bayern.
Mit roten Rosen und Kerzenlicht
Unsere Hochzeitsnacht war sicher ganz anders, als man es sich so vorstellt, aber es war ein besonderer Moment in unserer Ehe, an den ich auch heute, zwölf Jahre später, noch gerne zurückdenke. Wir haben mit dem Heiraten nicht lange gefackelt. Uns war ganz schnell klar, dass es das ist, was wir wollen und so standen wir nach viereinhalb Monaten vor dem Standesamt.
Da die kirchliche Trauung erst drei Monate später sein sollte, war unsere Hochzeitsnacht eben nach dem Standesamt, was wirklich eine gute Entscheidung war, denn nach der kirchlichen Hochzeit waren wir so im Eimer, dass an Romantik und Sex nicht zu denken gewesen wäre.
Unsere Hochzeitsnacht fand nicht in einer schicken Hochzeitssuite statt, sondern in einer schicken EinzimmerStudentenbude. Das Hochbett erschien uns zu gefährlich. Deshalb hatte mein Mann ein Matratzenlager auf dem Boden aufgebaut. Ich musste mich eine Zeit lang in den Flur stellen und er hat alles für mich schön gemacht, einen Strauß langstieliger roter Rosen, Kerzenlicht und Milkaschokoherzen auf dem Bett dekoriert und unsere Lieblingsmusik gestartet. Das alles berührte wirklich mein Herz und so fiel es mir leicht, mich zu entspannen. Wir hatten viel Zeit füreinander und konnten uns so richtig genießen und entdecken.
Leider war es mir nicht möglich, meinem Mann meine Jungfräulichkeit zu schenken, da ich meine Teeniezeit falsch ausgelebt hatte. Immerhin haben wir es geschafft, uns für diesen einen Abend aufzuheben und wir haben ihn in vollen Zügen ausgekostet.
Das Paar ist seit zwölf Jahren verheiratet und lebt in Sachsen.
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